Wenn die Sprache nicht stimmt…

Von Christian Nill, Januar 2012

Konfuzius sagte: “Wenn die Sprache nicht stimmt, dann ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist. So kommen keine guten Werke zustande.”

Täuscht der Eindruck, oder wird die Sprache mehr und mehr zu einer Art postmodernem Jekami? Ganz nach dem Motto anything goes… Demokratisierung der Sprache, nachdem auch das Wissen (dank Wikipedia) und die Macht (dank Social Media) demokratisiert wurden? Darf man einfach schreiben wie man will? Die Rede ist hier von der Form, nicht vom Inhalt. Denn es gilt die freie Meinungsäusserung, ein jeder sage, was im beliebt.
Aber betrifft das auch die Form? Gerade im Bereich Corporate Publishing ist es besonders wichtig, Form und Inhalt zur perfekten Übereinstimmung zu bringen. Das geht nur, wenn die Sprache intelligent gebraucht wird.

Die gekreuzigte Jungfrau

Wenn eine grosse Boulevard-Zeitung* schreibt “Künstler kreuzigt die Jungfrau” (gemeint ist der Berg, dessen Spitze ein Künstler mit einem Schweizer Kreuz aus buntem Licht versehen hat), dann mag das vielleicht originell sein, weil reisserisch. Es ist aber auch schlicht doof, weil kreuzfalsch. Die Kreuzigung war eine Todesstrafe bei den alten Römern. Wir kennen diese Todesfolter aus der Geschichte von Jesus im Neuen Testament. Was die Boulevard-Zeitung meint, ist eher ein “bekreuzigen”. Aber das klingt halt nicht so aggressiv-brutal, wie wenn eine Jungfrau, sinnbildlich, ans Kreuz geschlagen wird.

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Sprachliche Gewalt, Teil 1

Achtung: Der folgende Text könnte Schmerzen verursachen!

Von Christian Nill.

Ein beliebiges Zitat aus der Tagespresse geht so: «“Schweizer Fleisch – alles andere ist Beilage“, so wirbt Proviande seit längerem kategorisch – und deklassiert damit alles Vegetarische mit roher Sprachgewalt zum Nebenprodukt.» (Tages-Anzeiger, 6.2.2011) Weiterlesen…

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