Zen x Groove = Bärtsch

Text fĂĽr die Blick-Kulturseite.

Von Christian Nill

„Mit einem Ton berĂĽhrst du den Zuhörer direkt“, sagt der ZĂĽrcher Jazz-Pianist Nik Bärtsch (40). Das ist aber keine  plĂĽschige Esoterik, sondern seine Ăśberzeugung: „Es reicht nicht,  nur brillante Kunst zu machen. Man muss auch miteinander kommunizieren.“

Bärtsch’s Erscheinung ist streng: Glatze, schwarze Leinenkleidung, schmales Bärtchen. Fast wie ein fernöstlicher Mönch, einer mit viel Schalk in den Augen. Die Affinität zu Japan sei einfach da gewesen. „Nur dort findet man die Abwechslung von Ruhe und plötzlicher, totaler Intensität.“ Diese Dramaturgie kultiviert Bärtsch in seinem Sound, dem Zen-Funk. Zwei Dinge wie Feuer und Wasser. Nicht bei ihm. Aus dem Zen nimmt er die unmittelbare Präsenz, das Hier und Jetzt, den absoluten Fokus. Eine schlichte Harmonie, mal mit blue notes, mal eher lyrisch. Und dann der Beat: Eine simple Rhythmusfigur, kindlich fast. Und plötzlich kommt eine zweite dazu, ganz anders. Und ein dritte, ein vierte… 29-Achtel trifft auf 3-Viertel – Bärtsch’s Band Ronin beherrscht diese Polyrhythmik exzellent. Urbane Räume tun sich auf, es ist hörbare Architektur. Jeden Montag feilt das Quintett im ZĂĽrcher Exil an den komplexen StĂĽcken. Das Publikum horcht gebannt. Nik Bärtsch’s Bezugsgrössen heissen Strawinsky, Steve Reich, James Brown. Alles kombiniert mit Japanischer Ritualmusik.

Seinem Zen-Funk wird attestiert, ein neuer Stil zu sein. Das bleibt nicht unerhört: seine CD „STOA“ konnte der Musiker auf dem internationalen Top-Label ECM veröffentlichen, neben Grössen wie Keith Jarrett.

Und am 14. Juli (2006) spielt Bärtsch’s Ronin erstmals am North Sea Jazzfestival in Rotterdam. Mit Weltstars wie Al Jarreau und Herbie Hancock…

„Man muss sehr viel riskieren fĂĽr das, was man liebt.“ Das Wagnis zahlt sich aus. Bärtsch ist dabei, ein Grosser der Branche zu werden.

Veröffentlichungen von Nik Bärtsch’s Ronin: LLYRÌA. HOLON. STOA. U.a.m.

Erschienen bei ECM.

www.nikbaertsch.com

 

 

«Man kann über alles etwas Spannendes schreiben. Man muss vorher nur richtig fragen.»